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28.12.08 Zwickau (Autor: Bettina)

Zwickau, im Osten geht die Sonne schneller auf.

Dieter Nuhr hat folgende Verschwörungstheorie: "Die Bahn kauft Leichen ein, die sie auf die Gleise legen, um ihre Verspätungen zu begründen." Ich hab folgende: Sie bezahlen Eltern, damit die Kinder andere Fahrgäste das Hirn zu Brei quasseln, damit sie nicht mehr in der Lage sind, nur einen einzigen vernünftigen Satz zu formulieren und sich dadurch bei der Bahn nicht mehr beschweren können, bezüglich der Verspätung.
  Nach mehr als vier Stunden Zugfahrt war ich dann mehr als fertig. Ich war am Ende. Aber was tut man nicht alles, um sich die Ohren frei pusten zu lassen.

Aber die größte Katastrophe sollte ja erst noch kommen. Mit Hand und Fuß kommunizierte ich mit den Einwohnern Zwickaus und versuchte den Standort des Gasometers ausfindig zu machen. Anders war es nicht möglich, denn der Dialekt war schon echt krass und die Leute sprachen echt schnell. Da war ich ein bisschen überfordert, mit meinem Möchtegern-Hochdeutsch. 
  Irgendwann traf ich auf eine kleine Gruppe charmanter Jungs, die ich ebenfalls nach den Weg fragen musste und der eine sagte mir: „Ich wusste, das du mich genau DAS fragen würdest.“

Ich kombinierte richtig, das sie bereits von mehreren Leutchen gefragt wurden, wie man denn nu zu NL kommt und mit dem Tipp, sich einfach woanders hinzustellen, wünschte ich denen noch einen schönen Abend und die mir viel Spaß.
Die sind alle sehr, sehr nett in Zwickau. Und das Örtchen selbst ist echt schön anzusehen. Sehr knuffig alles. Durch das sinnlose umherirren konnte ich mir einen gewaltigen Einblick verschaffen.

Nachdem ich die Welt einmal umrundet hatte (zu Fuß!), kam ich pünktlich zum Einlass an, ließ mein Rucksack filzen, gab meine Klamotten ab und reihte mich in die Schlange ein. Die Menge wurde schon nervös und murrte. Und ich habe noch nie jemanden erlebt, der sich so dermaßen über Brezeln amüsieren kann (neben Getränken wurden auch Backwaren angeboten… ja, ja, diese Zwickauer).

Irgendwann war es dann auch mal so weit und wir wurden endlich in den eigentlich wichtigen Raum gelassen: die Location, in der die blöden Motherf*****s weggepustet werden sollten. Wie von einer Tarantel gestochen stürzten die Leute vor die Bühne, um sich einen  guten Platz in der ersten Reihe zu reservieren. Ich erwischte nur die Zweite. Was eigentlich nicht das Schlimmste war, übler war eigentlich, das ich Zwerg genau hinter einem Schrank von einem Menschen stand. Ich hatte mich umgeschaut, links und rechts war alles bereits besetzt gewesen, bliebe mir also nur noch die Flucht nach hinten. Und das sah ich auch nicht ein, da blieb ich lieber in der zweiten Reihe hinter dem Sichtschutz. Ich bin zwar nicht auf den Mund gefallen, aber irgendwie habe ich mich nicht getraut, ihn anzusprechen. Lag wohl an seine Freundin.

In dem Saal standen wir eine weitere gute dreiviertel Stunde die Beine in den Bauch und ließen uns von weniger prächtiger Musik beschallen (Geschmackssache, ich weiß). Und leider reichten meine Oropax nicht aus, um den Klatsch und Tratsch von zwei Mädchen neben mir nicht mitzubekommen und es gibt echt Dinge, die will der Mensch NICHT WISSEN! Kurz bevor ich den Verstand verloren hatte, sollte es nun ändlich losgehen.

Die ersten Töne von "Starring at the sun" ertönten und ich konnte im Gegensatz zum letzten Mal tatsächlich den Refrain mitsingen. Nur ganz leise, nicht grölend, damit mich keiner hören konnte, wenn ich doch nicht so ganz textsicher war. Zwischendurch forderte Herr Kubat per Mikro auf, den Ton noch lauter zu drehen, was mich verblüfft hatte, denn selbst mit meinen Oropax war es schon anstrengend für  meine Öhrchen. (Anmerkung vom Autor: wer einmal auf einem Heavy- Metal- FESTIVAL (2d)war und drei Tage lang einen Tinnitus hatte, der trägt fleißig Oropax)

Es folgte ein Hit nach dem anderen und da war ich bereit hemmungslos mitzuschreien. Dadurch war mir gar nicht erst bewusst geworden, das sich Herr Kubat bei >Gone< verhaspelt hatte. Er hörte abrupt auf zu singen, ich nicht… Peinlich.

Dann setzte er bei der richtigen Strophe wieder an und meiner einer sang nicht mehr mit. Zumindest nicht bis zum nächsten Song.
Bei "In Controll" übernahm unser aller liebster Herr Herdam den zweiten Part und zeigte allen, das auch er eine coole Stimme besaß. Ich persönlich finde es extrem raffiniert, ihn auch mal Aufmerksamkeit erregen zu lassen, auch ohne den Bogen, der aber auch an diesem Abend zum Glück nicht fehlen durfte.

Zwischendurch wuselte Thomas in den ersten Reihen herum und stellte sich mir vor. Und die erste Frage lautete: “Wo sind deine Hasenöhrchen?“ (die habe ich beim letzten Mal immer wieder verloren, weil die so schwer waren und nicht auf dem Kopf sitzen bleiben wollten. Und außerdem ist das nur einmal lustig) Die Zweite: „Wann gibt’s was neues?“ Ohne Lust auf Konversation, weil mich das Konzert in dem Moment mehr interessierte, antwortete ich nur knapp: „Demnächst.“

Irgendwann bei dem genialen Stück >reach the sun< kam jemand von weiter hinten nach vorn, der den Song noch genialer fand als ich, tippte ein Mädel an und nutzte ihre Verwirrung, um ihr einfach mal so ihren Platz in der ersten Reihe zu mopsen. Mit seinen Luftgitarren- Riffs wollte er den Jungs zeigen, wie man so RICHTIG spielte und Rufe an Herrn Bohn und bestimmte Handbewegungen machten klar, das er sich eine noch höhere Lautstärke wünschte. Und insgeheim fragte ich mich, wie viel Dezibel ein Mensch ertragen kann. Man erinnere sich ein meine Ooropax… Nach dem Anzünden von Herrn Kubats Zigarette und dem Ende von dem Song verzog er sich wieder artig nach hinten. Der Platz aber blieb lehr und Thomas nutzte die Gunst der Stunde, ergatterte sich diesen und schoss ein Foto nach dem andern.

 Leider hat alles ein Ende. Nicht nur dieses Konzert, leider auch eine ganze Tour und somit verabschiedeten sich die Jungs zum letzten Mal in diesem Jahr und verließen die Bühne. Dieser Gedanke machte den Abschied irgendwie noch schwermütiger, als sonst.

Noch schnell eine CD von Chapeau Claque bei Verena gekauft, die ich einem Freund versprochen hatte und dann in die endlos lange Schlange eingereiht, die durch die larmarschige Garderobenausgabe verursacht wurde, dann konnte es endlich nach Hause gehen. In der Reihe standen zwei recht angetrunkene Herren hinter mir, die darüber sinnierten, wie laaaaaange sie schon Fans waren und wie leeeeehr die Räume waren, als NL zu Anfangszeiten gespielt hatten. Da kommt einem doch das schlechte Gewissen. Wie kann ich es mir nur erdreisten, mich NL-Jüngerin zu nennen, wenn ich die Band erst knapp drei Jahre kenne? Pfui. (Vor zehn Jahren habe ich meine erste CD bekommen, die zum Glück nicht von Eifel 65 war (I´m blue???), wie zum Leid so manch anderer aus meiner Altersstufe. Na und? Da bin ich noch von der allgemeinen Konsumwelt des Fernsehens gelenkt worden)

In dem Sinne freue ich mich auf die nächsten sieben Jahre, damit ich mich Tatsächlich „FAN“ betiteln darf.

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