14.11.09 Altenburg - Alte Wollspinnerei (Autor: Mel)
Northern Lite - Review - Altenburg-Alte Wollspinnerei
Oh Rose!
Bevor man seine mehr oder minder hart verdiente Kohle in Altenburg beim Skat verliert oder am Ryan Air(port) mit Erschrecken feststellt, dass die geschmierten osteuropäischen Angestellten der so genannten Billigairline sich doch immer wieder etwas einfallen lassen, um dir vorm Urlaub dein Portemonnaie leer zu räumen, sollte man doch lieber in ein Konzert in der Alten Wollspinnerei investieren!
Zwar verlässt man, wie auch nach einer Skatrunde, völlig pleite und betrunken den Laden, aber dafür mit nem reich(lichen) Grinsen im Gesicht…denn Northern Lite haben ihr neues Album zum Besten gegeben, was Band und Publikum in Höhen fliegen lässt, die Ryan Air nicht mal im Angebot hat! Ja ja ich bin euphorisch, regelrecht entflammt (besser re-flammt (!)) nach diesem Gig gestern und muss deshalb ordentlich auf die Kacke hauen hier! Zunächst mal ein riesen Lob an das Veranstalterteam! Die Location ließ nichts zu wünschen übrig, fantastischer Service, guter Sound, Aschenbecher, Parkplätze uuuund natürlich die vorzügliche Entscheidung diesen Laden, der bis dato keine Livekonzerte im Repertoire hatte, von NL entjungfern zu lassen.
Los gings mit Sick Rose: wer da mitsingen kann, darf sich automatisch in der Bildungstabelle eine Etage höher eintragen, denn der Text stammt (für alle die es noch nicht wussten) ausnahmsweise mal nicht von Andreas, sondern von dem englischen Romantiker William Blake und gilt sozusagen als wichtiges Kulturgut, wenn auch nicht hier zu Lande. Es geht – natürlich – um die Liebe und trotzdem aber auch gerade deswegen macht der Song Spaß. Northern Lite kehrt stilistisch nach Super Black zurück nach Hause – auf die Tanzflächen der Clubs. Der Sound ist wesentlich elektronischer, härter aber auch zunehmend verspielter, was besonders deutlich bei Songs wie Flame und Bill Gates wird (ersteres wird im Übrigen die nächste Singleauskopplung, wenn ich das schon mal verraten darf). Bei Bill Gates hat es Andreas gar zustande gebracht den bluesigen Sound mit nem schwarzen Kapuzenshirt und dem aus der Hip Hop Szene berühmt berüchtigten obercoolen Kopfnicken zu koppeln – zum Schießen. Das haben sie echt drauf, Sachen erfolgreich zu kombinieren, für die man andere hängen würde.
Was konstant bleibt, bleiben muss, ist selbstverständlich der herausragende Gesang des Frontmanns. Ich glaube mittlerweile, dass es völlig egal ist, WAS er singt – sirenenartig zieht diese Stimme das Publikum in seinen Bann, löst Emotionen aus, von denen man nicht mal wusste, dass sie existieren und tötet mit jedem Song, der zu Ende geht, einen kleinen Teil von dir. Das ist positiv gemeint! : ) Ordentlich was zum Abrocken darf auf der neuen Scheibe natürlich nicht fehlen – das erledigten die beiden Ohrwürmer Letters & Signs und der Zugabesong Gimme Your Number (die Geschichte hinter dem Song würde mich auch mal interessieren!). Unter die Klassiker auf der Setlist haben sich auch ausschließlich die Songs geschmuggelt, die zum völlig ausrasten animieren u.a. Girl with a Gun, Reach the Sun, I Don’t Remember,(Val's)Control und selbstverständlich My Pain. Das Publikum hat den fantastischen Gig noch abgerundet, textsicher und gut gelaunt genossen Sie ihr Northern Lite Konzert in vollen Zügen und bedankten sich mit nicht abklingendem Applaus und Zugabegebrüll.
Fazit: (endlich darf ich’s mal sagen) Grand Ouvert !!!

