16.01.2010 Bad Blankenburg - Stadthalle (Autor: Mel)
Was ist das eigentlich für Wetter? Für jemanden, der mit geschlossenen Fenstern und voll aufgedrehter Heizung schläft, sind das arktische Verhältnisse – ich suche nach Wärme, Sonnenschein, Horizonten und lande mitten im Januar in der Stadthalle Bad Blankenburg, anstatt auf den Malediven. Hier ist es kuschlig zwischen all den Leuten, vor der warmen LED Wand, nahe meiner geliebten Freunde. Die wärmste Band der der Welt betritt die Bühne – frisch und energisch wirken sie nach zwei Wochen Pause und spielten ihr bisher bestes Konzert 2010. Nein ernsthaft, hier hatte alles gestimmt – die Atmossphäre, der Sound, der Gesang. Gelungenes Highlight war die Unplugged-Variante von ‚Enemy’ – nicht nur weil es Kritiker ‚elektronischer Musiker’ milde stimmen dürfte, sondern auch, weil es nichts Schöneres gibt, als den lautstarken Gesang des Publikums gepaart mit dem stolzen Gesichtsausdruck des Frontmanns. Noch gewaltiger ist (wahrscheinlich aus inhaltlichen Gründen) der Effekt bei ‚Trusting Blind’. Clever, wer sich den Live-Mitschnitt des Gigs anschließend auf nem hübschen Letters & Signs Stick gleich mit nach Hause genommen hat. Fotos sind ja am Ende doch alle gleich, aber die Atmossphäre sowie auch die instrumentalen Details und gesanglichen Finessen sind immer einzigartig.
Bill Gates hat sich in der Zwischenzeit in meinen persönlichen NL-Charts ganz nach oben katapultiert. Das Ding ist einfach nur ...cool, ein anderer Begriff den Song zu umschreiben kommt gar nicht in Frage. Wer Bill Gates noch nicht für sich entdeckt hat, sollte sich damit mal abends ins Auto setzen, laut aufdrehen und losfahren – der funktioniert sogar an roten Ampeln und ist ein dominantes Beispiel für die Vielseitigkeit und Experimentierfreude der Band– kritisieren kann man sicherlich überall und mit Recht, aber Einheitsbrei ist sicherlich das letzte, was man Northern Lite vorwerfen könnte.
Ganz besonders laut wurden die alten Meisterwerke Looking at You, Treat Me Better und natürlich My Pain gefeiert. Aber auch ‚Home’ vom im Frühjahr erscheinenden Part II des L&S Albums schlug sofort ein wie eine Bombe – bei den Thüringern eine Selbstverständlichkeit. Nach einem gelungenen Abend treten wir die Rückreise an. Da sind sie wieder, die bösen weißen Flocken, die einem Sicht und Straßenhaftung rauben.Naja, einen Vorteil haben extreme Wetterbedingungen - die Leute haben sich wieder was zu erzählen, was automatisch dazu führt, dass wieder Einigkeit herrscht – man hat schließlich einen gemeinsamen Feind gefunden: den Winterdienst.
A Propos, ist diesen Sommer nicht wieder Fußball-WM ?

